Inhalt - Erdfühler
Erfühler
Wie die Landwirte und die Böden bei der Kartoffelernte unter Druck kommen
Die Ernte. Kartoffeln werden maschinell gegraben. Der Vollernter nimmt die Erde und Kartoffeln von einer oder zwei Reihen auf, siebt die Erde weg, trennt Krautresten ab und leitet die Kartoffeln auf ein Förderband. Daran stehen mehrere Personen. Die einen entfernen Steine, Schollen und die kranken Knollen. Die andern sortieren die Kartoffeln für den Verkauf oder als Abgang für die Verfütterung an Tiere.
Der Boden. Die Erde muss feucht sein, damit sie die Kartoffeln beim Graben umhüllt und vor Schlägen schützt. Sie darf aber nicht zu feucht sein, damit die Erntemaschine mit ihrem Gewicht – je nach Typ sind es bis 16 Tonnen – den Boden nicht zu sehr zusammendrückt und verdichtet. Daher prüft der Landwirt vor der Ernte sowohl die Erntereife der Kartoffeln als auch die Feuchtigkeit und Tragfähigkeit des Bodens. Der Bauer weiss, dass vom Boden seine Existenz abhängt und bewirtschaftet ihn so, dass er auch für künftige Generationen noch fruchtbar ist.
Der Druck. In den letzten Jahren – seit der Markt regiert und der Bund nicht mehr die Abnahme der Kartoffeln garantiert – ist eine problematische Entwicklung entstanden: Die Handelsbetriebe, die Kartoffeln übernehmen, geben Anfang September das Startzeichen zur Ernte, sobald sie Kartoffeln einlagern wollen. Wer als Landwirt seine Ernte sicher verkaufen will, muss dann rasch reagieren. Er könnte sonst auf seinen Kartoffeln sitzen bleiben, wenn die Ernte gross ist und die Lager des Handels einmal voll sind. Die Folge: Neuerdings müssen die Landwirte Kartoffeln ernten, auch wenn der Zustand des Bodens es verbieten würde. So verleiten die Forderungen des Marktes dazu, den Boden unter Druck zu bringen und zu beschädigen.
