Inhalt - Höhenschwindel
Höhenschwindel
Warum die Milchrechnung nicht für jeden aufgeht
Natürlich möglich. In der Schweiz können grosse Talbetriebe, entsprechend mechanisiert und automatisiert, 300'000 Kilogramm Milch produzieren. Es braucht dazu eine Herde von 30 bis 35 Hochleistungskühen, die im Jahr je rund 10'000 Kilogramm Milch geben. Ein solcher Viehbestand ist anspruchsvoll zu halten und zu füttern. Von der Natur her ist es aber möglich.
Natürlich unmöglich. Milch wird in der Schweiz zu einem Teil im steilen, kupierten Gelände und im klimatisch rauen Hügel- und Berggebiet produziert. Da aber im Berggebiet kein Futter für eine intensive Fütterung wächst, ist die Milchleistung der Kühe dort deutlich tiefer als im Tal. Für 300'000 Kilogramm Milch braucht es im Berggebiet eine Herde von 50 bis 60 leistungsfähigen Kühen. Von der Natur her (Gelände und Klima) ist eine derart hohe Milchproduktion an den meisten Orten unmöglich.
Milchpreis. Die Kehrseite des Höhenschwindels offenbart sich im Preis, den die Bauern für die Milch lösen. Dieser Preis ist als Folge der neuen Agrarpolitik von 105 Rappen im Jahr 1992 auf 65 Rappen im Jahr 2006 gesunken. Und die Preiserosion ist noch nicht zu Ende. Fachleute rechnen mit einem weiteren Preisrückgang in den kommenden Jahren.
Arbeitsverdienst. Milchproduzenten brauchen unternehmerische Fähigkeiten zur Betriebsführung, fundiertes Berufswissen und sie arbeiten überdurchschnittlich viel (Kühe werden jahraus-jahrein täglich zwei Mal gemolken). Dieser Aufwand ist schlecht entlöhnt: Wenige Rappen Arbeitsverdienst pro Liter Milch beziehen die Schweizer Milchproduzenten im Durchschnitt (der Wert schwankt zwischen minus 7,2 Rappen und plus 31,8 Rappen). Wenn der Milchpreis weiter sinkt, bliebe den Milchbauern kein Arbeitsverdienst mehr.
