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Prachtsstück

Schildertext "Prachtsstück"
Brachen sind Flächen, die der Bauer nicht nutzt. Am prächtigsten ist die Buntbrache: Ein Stück Natur, im Acker auf sechs Jahre angelegt. Es blüht reich in den ersten Jahren und beherbergt Insekten, Ler-chen und Hasen. Das erfreut alle.

 

Was alles für das Anlegen von Buntbrachen spricht.

Alte Brachen. Brachen gibt es seit geschichtlichen Zeiten. In der Dreifelderwirtschaft brachten die Bauern keinen Dünger aus, dafür überliessen sie die Felder nach einigen Jahren den Wildpflanzen. Die Böden erholten sich und wurden wieder fruchtbar.

Neue Brachen. In den letzten Jahrzehnten liess man vor allem im Berg- und Hügelgebiet ungünstig zu bewirtschaftende Böden brach liegen und verganden. In den Neunziger Jahren wurden im Mittel-land ganze Felder mit Kleegras angesät und als Grünbrachen stillgelegt, dies wegen der Überproduktion von Ackerfrüchten.

Ökobrachen. Nach 1990 kamen die Buntbrachen und Rotationsbrachen auf, ökologische Ausgleichsflächen, die einen natürlichen Ausgleich zu den intensiv bewirtschafteten Landwirtschaftsflächen schaffen. Buntbrachen werden meistens als Streifen in einem Acker für höchstens 6 Jahre angesät. Rotationsbrachen werden auf ganzen Feldern für 1 1/2 bis 3 Jahre angelegt. Die Unterschiede zwischen den beiden Brachetypen verwischen sich immer mehr zugunsten der Buntbrachen.

Artenvielfalt fördern. Auf Buntbrachen blühen schon im Jahr der Saat bunte Wildpflanzen wie Mohn, Kornblume, Schafgarbe, Malve, Esparsette. Im zweiten Jahr finden sich auch Königskerze, wilde Möhre, Pastinake und viele mehr. Diese Vielfalt von Pflanzen zieht eine Vielfalt von Insekten und von anderen Tieren an.

Natürliche Lebensräume vernetzen. Buntbrachen sollen keine isolierten Inseln sein, sondern so angelegt werden, dass sie sich als Naturbrücken mit anderen naturnahen Lebensräumen verbinden und Teil eines natürlichen Netzwerks werden, eines Netzwerks aus Hecken, Blumenwiesen, Steinhaufen, Obstbäumen, gestuften Waldrändern usw. So erhalten Wildpflanzen und Wildtiere einen zusammenhängenden Lebensraum in der intensiv bewirtschafteten Agrarlandschaft.

Landschaft verschönern. Buntbrachen erfreuen nicht nur die Pflanzen und Tiere, sondern auch die Menschen, die sich in der Landschaft erholen
Weitere Infos: www.ufa-samen.ch

Sandgut

Schildertext "Sandgut"
Für Buntbrachen braucht es nur 110 Gramm Saatgut auf 100 m2 Fläche. Um die wenigen Samen von Hand gleichmässig auszusäen, mischt der Bauer sie mit Sand. Disteln, Quecken, Winden und Blacken bedrohen dann die Saat. Das gibt Arbeit.

 

Wie der Bauer eine Buntbrache anlegt

Wahl der Fläche. Für Buntbrachen eignen sich sonnige Standorte mit wenig Blacken, Disteln, Que-cken und andern zähen Wurzelkräutern. Ideal sind Standorte, die sich mit benachbarten naturnahen Lebensräumen vernetzen lassen. Im Interesse der Natur liegt die Brache mit Vorteil abseits von Spa-zierwegen, ungestört von den Menschen. Der Bauer wird bei der Anlage der Brachefläche auch da-rauf achten, dass er damit ein asymmetrisches Feld begradigt, damit es sich maschinell gut bewirt-schaften lässt.

Frühe Saat. Gesät wird möglichst früh, spätestens bis Ende April, weil die meisten Pflanzen der Brachemischungen ungewohnt lange brauchen, bis sie keimen. Da können unerwünschte Unkraut-samen im Boden vorher keimen und einen Wachstumsvorsprung bekommen. Brachen kann man auch im Herbst säen, dann vergrasen sie aber schneller als die Frühlingssaat.

Spezielle Samenmischungen. Der Bauer muss die von den Forschungsanstalten empfohlenen speziellen Mischungen mit einheimischen Wildkräutern ansäen. Die Mischungen enthalten früh- und spätblühende, einjährige und mehrjährige Pflanzenarten.

 Zwei Saatverfahren. Kleine Flächen sät der Bauer von Hand an, wie oben beschrieben. Für grössere Flächen benutzt er eine pneumatische Sämaschine; sie bringt die sperrigen, unterschiedlich grossen Samen mit Druckluft aus.

Bewusste Pflege. Eine Buntbrache blüht in den ersten Jahren am buntesten. Vom dritten Jahr an breiten sich die Gräser zunehmend aus und verdrängen die Kräuter. Von Anfang an muss der Bauer die Unkräuter unter Kontrolle halten, in IP-Betrieben kann er sie – einzelstockweise – chemisch bekämpfen, auf Biobetrieben muss er die unerwünschten Wurzelkräuter von Hand ausstechen. Brachen werden nicht gedüngt und bleiben möglichst auch über den Winter stehen. So können die Pflanzen versamen und die Insekten und andere Tiere behalten ihren Unterschlupf.

Weitere Infos www.ufa-samen.ch

Gewinnzone

Schildertext "Gewinnzone"
Mit der Brache bietet der Bauer einen naturnahen Lebensraum an. Blumen bitte stehen lassen! Zu ernten gibt es nichts, nur den Beifall der Passanten. Und minimal Fr. 30.- Entschädigung pro 100 m2. Mehr Gewinn ist versteckt.

 

Welche Vorteile und Nachteile der Bauer mit einer Brache hat

Vorteile:

  • Jeder Bauer muss mindestens 7 Prozent seiner Betriebsfläche als ökologische Ausgleichsflächen ausweisen. Die Brache zählt dazu.
  • Ökologische Ausgleichsflächen werden mit Direktzahlungen entschädigt. Der Bund zahlt 30 Franken pro Are. Einzelne Kantone zahlen einen zusätzlichen Betrag.
  • Die Buntbrache ist eine Naturinsel für seltene Pflanzen und wilde Tiere in der intensiv bewirt-schafteten Landschaft.
  • Brachen fördern die Vermehrung von Nützlingen, die den Druck schädlicher Insekten auf die landwirtschaftlichen Kulturen mindern.
  • Der ganzjährig bewachsene Boden ist vor Erosion geschützt.
  • Mit Buntbrachen gewinnt der Bauer Sympathie und Anerkennung bei der Bevölkerung. Und er kann sich selbst freuen am Stück Natur und der Vernetzungsarbeit auf dem eigenen Hof.

Nachteile:

  • Die Buntbrachefläche ist landwirtschaftlich unproduktiv – es entsteht ein Ertragsausfall.
  • Die Buntbrache muss gepflegt werden, sonst verunkrautet sie. Unerwünschte Wurzelkräuter sind einzeln zu bekämpfen.
  • Mäuse und Schnecken können sich vermehren.

Unter dem Strich resultiert ein Gewinn. Die Kombination von Lebensmittelproduktion und naturnaher Landschaftspflege gibt der Landwirtschaft eine zeitgemässe Aufgabe und wertet die Arbeit der Bauern in der Gesellschaft auf. Es ist wichtig, die Bevölkerung darauf aufmerksam zu machen.