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Milchschnitte

Schildertext "Milchschnitte"
Nach Ackerfrüchten wie Getreide, Mais und Raps sät der Bauer eine Wiese an. Diese so genannte Kunstwiese steht bis vier Jahre und wird jährlich 4 bis 6 Mal geschnitten. Jeder Schnitt liefert hochwertiges Futter. Und viel Milch.

 

Wie die Kunstwiesen Kreisläufe auf dem Bauernhof schliessen

Die Fruchtfolge. Wenn man auf dem gleichen Acker während Jahren immer nur Kartoffeln oder Raps oder Weizen anpflanzen würde, gäbe es bald Probleme mit Krankheiten und Schädlingen, weil der Boden einseitig genutzt wird. Daher wählt der Bauer – abgestimmt auf seinen Betrieb – mehrere Kulturen, die er im Lauf der Jahre in gleicher Folge anpflanzt. Diesen Kreislauf nennt man „Fruchtfolge“.

Ökologie und Ökonomie. Die Kunstwiese ist in der Fruchtfolge von besonderem Wert. Sie bedeckt den Boden während mehreren Jahren, schützt ihn vor starkem Regen und vor Austrocknung und gibt ihm Zeit, sich zu erholen (sie unten „Kurlaub“). Die Kunstwiese liefert auch eine Menge bestes Wiesenfutter für das Vieh. Jährlich 10'000 bis 14'000 Kilogramm Milch lassen sich mit dem Gras einer Hektare Kunstwiese produzieren, 1 bis 1,4 Liter Milch pro Quadratmeter. Das ist möglich, weil wir in der Schweiz ein futterwüchsiges Klima und ideale Böden haben. Die Kunstwiese erfüllt also ökologische und ökonomische Zielsetzungen.

Der Pflanzen-Tier-Kreislauf. Kunstwiesen spielen eine Rolle in einem weiteren Kreislauf auf dem Bauernhof: Die Pflanzen ziehen Nährstoffe aus dem Boden, die bei der Ernte vom Feld weggeführt und den Tieren verfüttert werden. Diese fressen und verwerten einen Teil der Nährstoffe, den Rest scheiden sie aus. Als Mist oder Gülle – in einer Düngungsbilanz berechnet und auf den Acker gebracht – stehen die Nährstoffe den Pflanzen dann wieder zur Verfügung.

Weg aus den Hungersnöten. Die Entdeckung dieses Pflanzen-Tier-Dünger-Pflanzen-Kreislaufs begründete vor 200 Jahren die intensive Landwirtschaft. Die Menschen begannen damals, auf ihren Feldern nicht nur Getreide anzusäen, sondern auch Tiere zu halten. So hatten sie in schlechten Getreidejahren trotzdem Nahrung. Das war ein Anfang, um die früher immer wieder vorkommenden Hungersnöte zu vermeiden.

Kurlaub

Schildertext "Kurlaub"
Unter der Kunstwiesen-Decke erholt sich der Ackerboden: Unkräuter und Krankheitser-reger gehen zurück. Würmer, Milben und Bakterien vermehren sich und durchlüften die Erde. Der Klee reichert Stickstoff an. Das wirkt, sichtbar.

 

Welche Vorteile die Kunstwiesen dem Ackerbauern bringen

Stickstoff anreichern. Sichtbar wird die Wirkung der Kunstwiese besonders im Jahr nachher: Weizen nach Kunstwiese wächst deutlich grüner heran. Der Grund: In den Kleewurzeln vermehren sich Knöllchenbakterien. Sie binden pro Hektare bis zu 200 Kilogramm Reinstickstoff, das entspricht 750 Kilogramm Ammonsalpeter. Dank der dauernden Bodenbedeckung durch die Grasnarbe hält der Boden mehr Stickstoff zurück. Kunstwiesen vermeiden Bodenerosion und Nitratauswaschung.

Boden lockern. In jahrelang bedeckter, durchwurzelter Erde gedeiht ein reiches Bodenleben. Sichtbar und messbar wird es an der Zahl der Regenwürmer; sie kann sich in drei Jahren verdoppeln. Die Bodenlebewesen ernähren sich von der organischen Substanz im Boden. Sie bilden Humus und machen die Erde luftig und krümelig – das heisst, die Bodenteilchen haften locker zusammen. Ein gesunder Boden lässt wegen der vielen senkrechten Wurmgänge das Wasser rasch versickern, er speichert dann das Wasser und gibt es allmählich an die Pflanzen ab. Ein gesunder Boden enthält auch viel Sauerstoff. Dieser aktiviert die Bodenlebewesen noch mehr, und das kommt wiederum den Pflanzen zugute.

Krankheiten eindämmen. Während der Kunstwiesen-Kultur gehen verschiedene Krankheitserreger zurück (z.B. Getreide-Fusskrankheiten und Fadenwürmer), die das Getreide und andere Ackerfrüchte schädigen. Ein Nachteil der Kunstwiese ist allerdings, dass sich die Drahtwürmer vermehren. Sie bohren sich im Folgejahr in die Kartoffeln oder fressen die zarten Zuckerrüben-Keimlinge.

Unkräuter unterdrücken. Wenn die Grasnarbe der Kunstwiese dicht und geschlossen ist, unterdrückt sie bestimmte Ackerunkräuter, die man dann in der Folgekultur nicht bekämpfen muss. Gewisse hartnäckige Unkräuter kommen aber auch in der Kunstwiese auf, z.B. die Blacken. Der Bauer muss sie entfernen.

Löwenzahl

Schildertext "Löwenzahl"
Anfangs liefert die Kunstwiese das beste Futter für die Kühe. Vom zweiten Jahr an keimen Platzräuber, wie der Löwenzahn. Er vermehrt sich rasch und färbt die Wiese zunehmend gelb. Ganz gelb ist sie alt, und wird dann umgepflügt.

 

 Wie eine Kunstwiese viel gutes Futter liefert

Pflanzenzusammensetzung. Es gibt verschiedene Kunstwiesen-Mischungen, abgestimmt auf trockene und feuchte Böden, tiefere und höhere Lagen und auf die Nutzungsdauer von ein bis vier Jahren. Die Mischungen bestehen aus Gras- und Kleearten. Im Frühjahr spriessen die Gräser stark, der Klee ist weniger sichtbar. Im Sommer blüht der Klee weiss oder rot, die Gräser sind dann in der Sommerdepression und wachsen schwächer. Mit häufigem Schnitt und wenig Stickstoffdüngung erhöht der Bauer den Kleeanteil auf das gewünschte Mass; mit weniger Schnitten und mehr Stickstoff fördert er die Gräser.

Nutzung der Kunstwiese. Das Kunstwiesenfutter wird eingegrast und frisch verfüttert oder zu Heu und Silage konserviert. Kunstwiesen werden auch als Weide genutzt. Im Frühjahr regt der Tritt der Tiere die Bestockung der Gräser an: Sie bilden dichtere Wurzelstöcke und behaupten sich besser gegenüber den Kräutern.

Schnittzeitpunkt und Futterwert. Kunstwiesen werden im Frühjahr jung geschnitten, wenn die Gräser eben ihre Blütenstände bilden. Dann enthält das Futter am meisten Zucker und Eiweiss, es hat einen hohen Nährwert, ist schmackhaft und leicht verdaulich. Die Kühe fressen mehr und geben mehr Milch als mit älterem Futter.

Die Kunstwiese altert. Schon vom zweiten Jahr an keimen Kräuter an offenen Stellen in der Wiese und füllen mit ihren breiten Blättern die Lücken. Es gibt wertvolle Futterkräuter (Löwenzahn) und wertlose (Blacke). Wie oben beschrieben, zeigt der Löwenzahn an, wie alt eine Kunstwiese ist. Der Bauer wartet nicht zu lange. Er bricht die Kunstwiese um, nach dem Grundsatz: „Pflüge eine Kunstwiese, wenn sie dich noch reut“.