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Knollentöchter

Schildertext "Knollentöchter"
An einer Saatkartoffel keimen 5 bis 8 Triebe. Aus jedem Trieb spriessen Wurzeln, ein Stängel mit Blättern und unterirdische Seitenzweige. Deren Enden wachsen je zu einer Kartoffel aus. Pro Saatkartoffel erntet man bis 20 Tochterknollen.

 

Wie der Bauer aus Saatkartoffeln Speisekartoffeln heranzieht

Das Saatgut. Gesundes Saatgut ist eine Voraussetzung für qualitativ einwandfreie Speisekartoffeln. Der Landwirt kauft normalerweise im November zertifiziertes Kartoffel-Saatgut. Das sind Saatkartoffeln, die geprüft und garantiert gesund sind, nicht von Viren befallen und in vorgeschriebener Grösse sortiert. Während des Winters werden die Saatkartoffeln bei 2 bis 5 Grad Celsius gelagert.

Das Vorkeimen. Mit genau dosierter Wärme und mit Licht beginnt der Landwirt im Februar bis März (je nach Sorte) die Saatkartoffeln keimen zu lassen. Aus den Augen der Kartoffeln beginnen Keime zu wachsen. Sie sollen bei der Pflanzung kurz und kräftig sein. Vorgekeimte Kartoffeln wachsen nach der Pflanzung rascher als nicht vorgekeimte. Sie werden weniger von Krankheiten befallen, bedecken den Boden rascher und unterdrücken das Wachstum von Unkräutern. Später bilden sie grössere und gesündere Tochterknollen. Der Ertrag wird grösser.

Die Pflanzung. Kartoffeln werden Ende März bis Ende April gepflanzt, wenn der Boden genügend warm und abgetrocknet ist (Frühkartoffeln schon Anfang März). Bei der Pflanzung dürfen die Keime nicht beschädigt werden. Für einen Acker von 100 mal 100 Meter Fläche (= 1 Hektare) braucht es etwa 50'000 Saatkartoffeln. Anfangs bezieht die wachsende Pflanze die Nährstoffe von der Saatkartoffel. Später, wenn die Triebe Wurzeln gebildet haben und die Pflanze aus dem Boden herausgewachsen ist, ernährt sie sich aus der Erde.

Die Pflege. Der Landwirt reguliert – mechanisch mit dem Hackgerät oder chemisch – die Unkräuter, damit diese die Kartoffelpflanzen beim Wachsen nicht konkurrenzieren. Mit dem Hackgerät hält er den Boden locker und luftig für eine gute Wasser- und Nährstoffaufnahme. Er formt Dämme, um die wachsenden Tochterknollen bedeckt zu halten, denn am Licht würden sie grün und giftig werden. Weitere Pflegemassnahmen sind die Bekämpfung von Krankheiten, vor allem der Kraut- und Knollenfäule, und wenn nötig die Bewässerung der Kartoffelpflanzen. Diese müssen regelmässig mit Wasser versorgt sein, um gut Tochterknollen zu bilden.

Erdfühler

Schildertext "Erdfühler"
Vor der Ernte prüft der Landwirt, ob die Kartoffeln schalenfest sind und der Boden die Erntemaschine trägt. Er befühlt Erde und Kartoffeln mit den Händen, schaut, riecht, spürt. Der Handel bringt diese sinnvolle Sinnenprobe unter Druck.

 

Wie die Landwirte und die Böden bei der Kartoffelernte
unter Druck kommen

Die Ernte. Kartoffeln werden maschinell gegraben. Der Vollernter nimmt die Erde und Kartoffeln von einer oder zwei Reihen auf, siebt die Erde weg, trennt Krautresten ab und leitet die Kartoffeln auf ein Förderband. Daran stehen mehrere Personen. Die einen entfernen Steine, Schollen und die kranken Knollen. Die andern sortieren die Kartoffeln für den Verkauf oder als Abgang für die Verfütterung an Tiere.

Der Boden. Die Erde muss feucht sein, damit sie die Kartoffeln beim Graben umhüllt und vor Schlägen schützt. Sie darf aber nicht zu feucht sein, damit die Erntemaschine mit ihrem Gewicht – je nach Typ sind es bis 16 Tonnen – den Boden nicht zu sehr zusammendrückt und verdichtet. Daher prüft der Landwirt vor der Ernte sowohl die Erntereife der Kartoffeln als auch die Feuchtigkeit und Tragfähigkeit des Bodens. Der Bauer weiss, dass vom Boden seine Existenz abhängt und bewirtschaftet ihn so, dass er auch für künftige Generationen noch fruchtbar ist.

Der Druck. In den letzten Jahren – seit der Markt regiert und der Bund nicht mehr die Abnahme der Kartoffeln garantiert – ist eine problematische Entwicklung entstanden: Die Handelsbetriebe, die Kartoffeln übernehmen, geben Anfang September das Startzeichen zur Ernte, sobald sie Kartoffeln einlagern wollen. Wer als Landwirt seine Ernte sicher verkaufen will, muss dann rasch reagieren. Er könnte sonst auf seinen Kartoffeln sitzen bleiben, wenn die Ernte gross ist und die Lager des Handels einmal voll sind. Die Folge: Neuerdings müssen die Landwirte Kartoffeln ernten, auch wenn der Zustand des Bodens es verbieten würde. So verleiten die Forderungen des Marktes dazu, den Boden unter Druck zu bringen und zu beschädigen.

Segelfang

Schildertext "Segelfang"
Kartoffeln dürfen keine Schläge erleiden. Daher fängt ein Fallsegel die Knollen auf, wenn sie von der Ernte- maschine in 15-Tonnen-Mulden gekippt werden, zum Transport in Chips und Frites-Fabriken. Schweizer Qualität bewährt sich.

 

Was alles es braucht, um Kartoffeln von bester Qualität zu liefern

Qualitätsvorschriften. Die Qualitätskriterien für Kartoffeln sind vorgeschrieben. Zum Beispiel die Grössenmasse der Knollen und die Stärkegehalte der Sorten, je nach Verwendung oder Verarbeitung. Selbstverständlich dürfen Kartoffeln keine äusseren Schäden aufweisen, keine Risse, Quetschungen, Schlagschäden und Schnittwunden, kein Schorf, keine Frassschäden von Schnecken, Löcher von Drahtwürmern usw.

Qualitätsproduktion. Je leistungsfähiger die Erntemaschinen werden, desto mehr zählen die Erfahrung und das Können des Landwirts, um die gewünschte Qualität zu liefern. Wichtig ist, den richtigen Zeitpunkt für die Ernte zu finden. Etwa zwei bis drei Wochen vor der Ernte beseitigt der Landwirt das Kraut, damit die Stoffeinlagerung in die Knollen aufhört und die Kartoffeln für die maschinelle Ernte schalenfest werden. Bei der Ernte soll die Temperatur der Knollen mindestens 12 bis 15 Grad betragen, sonst gibt es Schlagschäden. Alle wichtigen Teile der Erntemaschine müssen gut funktionieren und richtig eingestellt sein. Der Fahrer des Vollernters muss den Bodenverhältnissen entsprechend fahren: so langsam, dass sich Erde und Kartoffeln schonend trennen und doch so schnell, dass die Arbeit wirtschaftlich erledigt wird.

Qualitätskontrollen. Bei der Ablieferung werden die Kartoffeln kontrolliert, ob sie die Qualitätsvorschriften erfüllen. Kartoffeln für die Chips- und Frites Fabrikation müssen zudem einen Backtest bestehen. Qualitätsmängel ziehen Preiskürzungen nach sich oder die ganze Lieferung wird zurück gewiesen. Die Kartoffelproduktion hat auf vielen Bauernbetrieben der Schweiz Tradition. Der Betriebszweig verlangt viel Können und Erfahrung. – Spätestens wenn Chips- und Frites Fabriken Kartoffeln aus andern Ländern importieren müssen, zeigt sich, dass die Schweizer Kartoffeln qualitativ die besten sind.