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Fallfrüchtchen

Schildertext "Fallfrüchtchen"
Von Bienen befruchtete Obstblüten bilden Früchtchen. Wenn alle ausreifen würden, gingen zu viel Nährstoffe ins Obst und zu wenig in die Triebe fürs nächste Jahr. Darum lassen Obstbäume im Juni jeweils viele Früchtchen fallen.

 

Wie die Obstbäume mit den Nährstoffen haushalten

Saftstrom. Obstbäume ziehen mit ihren Wurzeln Nährstoffe und Wasser aus dem Boden und transportieren sie dann mit dem Saftstrom in alle Pflanzenteile – in die Äste, Zweige, Blätter, Früchte. Am meisten Nährstoffe gehen in die Pflanzenteile mit der höchsten Salzkonzentration. Das sind bei den Obstbäumen die Früchte.

Triebbildung. Der Obstbaum muss aber im Sommer nicht nur Früchte bilden, die bis zum Herbst zu Äpfeln und Birnen heranreifen, sondern auch die Triebe, die im nächsten Frühling blühen werden und im darauf folgenden Herbst Obst tragen sollen. Obstbäume haben nun einen natürlichen Mechanismus entwickelt, mit dem sie den Nährstoffhaushalt langfristig regulieren. Obstbauern nennen diesen Mechanismus „Junifall“.

Junifall. Der Junifall ist ein natürlicher Abwurfmechanismus bei Hochstamm-Obstbäumen. Von Ende Mai bis Mitte Juni fallen viele der eben gebildeten, noch kleinen Äpfel und Birnen zu Boden. Jetzt reichen die Nährstoffe für beides: für die Blütentriebe des kommenden Jahres und die übrig gebliebenen Früchte am Baum.

„Alternanz“. Der Junifall ist bei verschiedenen Obstsorten unterschiedlich stark ausgeprägt. Wo er nicht oder nur schwach vorkommt, entsteht das Phänomen der „Alternanz“.: Der Baum trägt nur jedes zweite Jahr viel Obst. In einem ersten Jahr bildet er viel Obst und vernachlässigt die Nährstoff-Versorgung der neuen Triebe. Im folgenden zweiten Jahr gibt es dann kaum Blüten und daher auch keine Früchte, dafür aber neue Triebe. Diese blühen dann im dritten Jahr reich und bilden wiederum viel Obst.

Schnittspiel

Schildertext "Schnittspiel"
Bäume schneiden sieht spie-lerisch leicht aus, ist aber viel Know how und Arbeit. Obstbäume wachsen nach dem Schnitt gezielt fröhlich, Licht lässt das Obst gut reifen, Luft umspielt die Blätter und schützt vor Mehltau und Maden.

 

Warum der Baumschnitt eine fruchtbare Arbeit ist

Astwerk gestalten. Wer gesundes, reifes Obst ernten will, muss seine Hochstammbäume alle 2 bis 3 Jahre schneiden. Mit einer Hebebühne braucht man für einen Baum eine bis zwei Stunden. Mit der Leiter einen halben Tag. Der Obstbauer schneidet ganze Äste oder Zweige ab. Damit gibt er dem Baum einerseits die gewünschte Form, anderseits ordnet er das Astwerk so an, dass der Raum gleichmässig locker mit Ästen und Zweigen gefüllt ist. Bäume schneiden ist eine gestalterische Arbeit.

Wachstum anregen. Bäume schneiden verlangt auch viel Wissen. An der Schnittstelle staut sich der Saftstrom mit den Nährstoffen und der Baum bildet hier neue Triebe. Diese wachsen zu Zweigen aus, die im folgenden Jahr viele Blüten und Früchte tragen. Das funktioniert aber nur, wenn an der Schnittstelle noch ein dünner Ast vorhanden ist, der den Saftstrom weiterleitet. Wenn zu viel weggeschnitten wird, wachsen ausschliesslich Langtriebe, sogenannte Wasserschosse mit Blättern ohne Blütenknospen.

Baum verjüngen. Regelmässiger Schnitt verjüngt den Baum. Obstbäume können bis 300 Jahre alt werden. Bäume, die nicht geschnitten werden, verzweigen sich an den Ast- und Zweigspitzen mehr und mehr. Das sich verdichtende Astwerk lässt dann immer weniger Licht und Luft in den Baum eindringen. Die Bäume vergreisen. Das Klima im Innern des Baumes wird dumpf und feucht – ein Nährboden für Pilzkrankheiten (Mehltau, Schorf) und Maden. Damit das Obst gesund und gut reift, braucht es Licht und Sonnenwärme, braucht der Baum den regelmässigen Schnitt.

Raritätenreich

Schildertext "Raritätenreich"
Reich ist die Palette an alten Hochstamm-Obstsorten, www.fructus.ch. Doch sie und das Mostobst werden rar – wegen Arbeitszeit, Preis- druck, Feuerbrand. Extensiv bewirtschaftete Obstgärten sind auch rare Naturreiche.

 

Wie unser Reichtum Reichtümer zur Rarität macht

Sortenreichtum. Die Vereinigung „Fructus“ bemüht sich um die Erhaltung alter Obstsorten. Unter www.fructus.ch findet man über 300 einheimische Hochstamm-Apfelsorten und ein Register mit 575 Kirschensorten. Gross ist also der Reichtum einheimischer Obstsorten, der im Laufe von Jahrhunderten, angepasst an lokale Wachstumsbedingungen, aufgebaut wurde.

Innerer Reichtum. Die alten Obstsorten auf Hochstammbäumen sind in vieler Hinsicht ein Reichtum:

  • Das standortangepasste Erbgut ist für zukünftige Züchtungsarbeit wertvoll
  • Die Obstsorten haben besondere Zucker-Säureverhältnisse und sind entsprechend aromatisch
  • Viele der alten Hochstamm-Apfel- und Birnensorten eignen sich ideal als Mostobst für die Obstsaftproduktion

Naturreichtum. Hochstamm-Obstgärten stammen aus einer Zeit, da die Landwirtschaft wenig intensiv gearbeitet hat. Damals wurden auch die Wiesen unter den Bäumen weniger gedüngt und seltener genutzt. Obstgärten waren Naturreiche mit vielfältigem natürlichem Pflanzen- und Tierleben.

Rentabilität schafft Raritäten. Jetzt verschwinden diese Reichtümer, weil Rentabilität unser Wirtschaften bestimmt.

  • Die Hochstamm-Obstbäume stehen dem Ziel von mehr Ertrag pro Fläche und Arbeitskraft vielerorts im Weg – sie wurden gefällt.
  • Eine Mechanisierung des Baumschnitts mit einer Hebebühne und der Ernte mit Baumschüttler und Auflesemaschine ist zwar möglich, ist aber nur in grossen, ebenen Obstgärten rentabel.
  • Die Rentabilität wird auch durch die Mostobstpreise bestimmt, und die sind in den letzten Jahrzehnten real stark gesunken.
  • Seit kurzem dezimiert auch eine Bakterienkrankheit, der Feuerbrand, die Hochstamm-Bestände. Der Feuerbrand befällt die Obstbäume zur Blütezeit und hat sich in der Schweiz massiv ausgeweitet. Befallene Bäume müssen nach behördlicher Verfügung gefällt werden.