Main Content

Zitterpartie

Schildertext "Zitterpartie"
Im Frühjahr, wenn die Säfte steigen, glitzern Tränen an den Schnittstellen der Reben. Die Rebe weint. Jetzt beginnt das Hoffen auf eine gute Weinlese. Frost, Nässe, Hagel und Schädlinge treiben ihr Spiel mit den Rebbauern – bis im Herbst.

 

Wie der Winzer immer wieder um seine Ernte zittern muss.

Schon im Vorsommer bilden sich in den Blattachseln der Reben die Knospen, aus denen im nächsten Frühjahr die Triebe mit den Blättern und Gescheinen (= Blütenstände) stossen werden. Die Knospen brauchen warmes, nicht zu nasses Wetter, um sich gut zu entwickeln.

Spätfröste. Im Frühjahr sind die jungen Triebe anfällig auf Frost. Schon bei minus 2 Grad erfrieren die zarten Schosse. Wenn sie nach Niederschlägen nass sind, ertragen sie sogar kaum 0 Grad.

Tierchen. Sobald die Reben treiben, erwachen auch ihre ersten tierischen Feinde, zum Beispiel Kräuselmilben und Erdraupen. Je nach Schädlingsart hält sie der Winzer mit Nützlingen in Schach, er liest sie von Hand ab oder bekämpft sie mit chemischen oder biologischen Mitteln. Im Laufe des Sommers können weitere Feinde aktiv werden: Spinnmilben, Blasenfüsse, Traubenwickler. Der Rebbauer beobachtet die Pflanzen dauernd und zählt bei einem Befall die Schädlinge, um die Schadschwellen zu bestimmen. Gegenmassnahmen ergreift er erst dann, wenn die zu erwartenden Schäden grösser sind als die Kosten für deren Vermeidung.

Pilze. Verschiedene Pilze wie Rotbrenner, Falscher und Echter Mehltau, Schimmelpilze (Botrytis cinerea) bedrohen die Reben. Feuchtigkeit und Wärme begünstigen ihr Aufkommen und ihre Verbreitung. Was beim falschen Mehltau besonders ist: Die Blätter und Trauben müssen vorbeugend geschützt werden. Wenn sie ein-mal befallen sind, ist es zu spät. Daher erfasst man mit Blattnass-Schreibern regional die Bedingungen für die Entwicklung des Mehltaus. Ein Warndienst teilt den Winzern mit, wann sie mit einem Pilzbefall rechnen müs-sen.

Blüte. Um Johanni (= 24. Juni) beginnt die Rebenblüte. Unscheinbar weiss blühen die Gescheine, im Rebberg verbreitet sich ein betörender, zarter Duft. Reben sind Selbstbefruchter. Bei feuchtem, kühlem Wetter reifen die Pollen schlecht aus, die Fruchtknoten werden mangelhaft befruchtet, die Beeren bleiben klein und entwickeln sich nicht, sie verrieseln.

Hagel. Unwetter können im Hochsommer eine Ernte in wenigen Minuten zerstören.

Vögel. Krähen, Amseln, Spatzen oder Starenschwärme können ab beginnender Traubenreife die Beeren anpi-cken. Mit Netzen werden die Reben am besten geschützt. Die Netze müssen straff und richtig gespannt sein, damit sich keine Vögel oder Igel darin verfangen.

Herbstwetter. Bis zur Ernte muss das Wetter stimmen, damit die Trauben wie gewünscht ausreifen. In vielen Regionen der Schweiz hilft der Föhn dabei, der Traubenkocher.

Geiztrieb

Schildertext "Geiztrieb"
Im Sommer wachsen aus den Blattachseln der Rebe Geiztriebe hervor. Man bricht sie aus, soweit sie den Trauben vor der Sonne stehen. Vor der Ernte wird gar ein Teil der Trauben fortgeschnitten. Wer dabei seinen Geiz überwindet, gewinnt.

 

Wie der Winzer die Reben schneidet, um die Qualität zu steigern.

Winterschnitt. Der Schnitt der Reben ist wichtig für die Qualität des Weines. Beim Winterschnitt schneidet der Rebbauer bis im Februar das einjährige Holz zurück und lässt nur die richtige Anzahl Knospen stehen. Aus ihnen wachsen dann die Schosse mit den Blättern, den Trauben und den Ranken. Mit dem Winterschnitt formt der Rebbauer die Rebe auch, er erzieht sie.

Triebe ausbrechen. Nach dem Austrieb im Frühjahr wachsen die Schosse kräftig heran. Der Rebbauer bricht die überzähligen und schwachen Triebe aus, die starken, gewünschten schlauft er ein und bindet sie auf. Es soll sich eine eigentliche Laubwand bilden.

Sonnenkollektor aufbauen. Auf einem Rebberg von 1 Hektare Fläche entsteht so eine Blattfläche von 15 Hektaren; sie ist ein riesiger Sonnenkollektor. Für eine optimale Traubenreife ist es wichtig, ein Maximum an Sonnenlicht für die Assimilation einzufangen: Die Blätter bilden aus Wasser und CO2 der Luft mit der Energie des Sonnenlichts Zucker, der in die Trauben eingelagert wird. Auch die für den Winter notwendigen Reservestoffe werden gebildet und in die Wurzeln und den Stamm eingelagert.

Ausgeizen. Die Rebe wuchert vom Frühling bis im Sommer. Auch nach der Blüte wachsen die Triebe weiter, und in den Blattachseln zeigen sich nun die Geiztriebe. Gleichzeitig entwickeln sich die befruchteten Trauben-beeren zu erbsengrossen Kügelchen. Der Rebbauer bricht die Geiztriebe um die Trauben herum aus, damit diese gut belüftet sind und nach dem Regen schneller abtrocknen. So lässt sich der gefürchtete Pilzbefall eher vermeiden. Durch die bessere Besonnung bildet sich gleichzeitig mehr Aroma in der Traubenhaut und der Wein wird fruchtiger.

Grüne Lese. Für beste Weinqualität beschränkt der Winzer den Ertrag der Reben. Er schneidet im August überschüssige Trauben zu Boden. Jetzt kommt die Assimilationsleistung der Blätter den wenigen Trauben zugute, die daher mehr Zucker einlagern.

Schnittlohn. Für den Winzer lohnt es sich, den Behang der Reben konsequent zu beschränken: Qualität wird besser bezahlt, gibt bessere Weine ... und sichert Kundschaft.

Weinblumen

Schildertext "Weinblumen"
Blumig entfaltet sich der Duft des Weines im Glas; die Fülle aller Düfte vereint sich zum Bouquet. Blumig leuchten Kräuter zwischen Reben und ziehen buntes Leben an: Käfer krabbeln, Hummeln brummeln, Falter gaukeln. Naturwärts.

 

Wie der Winzer naturnah arbeitet

Den Boden begrünen. Der dauernd mit Gräsern und Kräutern bewachsene Boden ist besonders in steilen Lagen vor starkem Regen geschützt. Es werden weniger Nährstoffe ausgewaschen und die Erde wird nicht abgeschwemmt. Die Durchwurzelung belebt den Boden, und speichert ausserdem das Wasser länger.

Blumenmischungen einsäen. Wer im Rebberg statt einer Gras-/Kleemischung eine Mischung mit vielen Kräutern einsät, kann ein kleines Naturparadies anlegen: Die pollen der Blühenden Kräuter sind die Nahrung einer riesigen Vielfalt von Insekten. Die einen erfreuen unser Auge: Schmetterlinge, Käfer und Hummeln. Andere sind Nützlinge im Rebberg. Sie halten bestimmte Schädlinge in Grenzen, und der Rebbauer muss weniger spritzen. Das Gras zwischen den Rebreihen wird gelegentlich gemäht, der Grasschnitt bleibt liegen. Indem man abwechselnd nur jede zweite Reihe mäht, bleibt immer die Hälfte des Rebbergs mit blühenden Kräutern und Gräsern bewachsen.

Richtige Rebensorten wählen. Der Rebbauer wählt – abgestimmt auf seinen Standort – widerstandsfähige Rebensorten und pflegt sie so, dass sie kräftig wachsen.

Spritzmittel dosieren. Der Winzer berechnet die genaue Dosierung der Pflanzenschutzmittel und spritzt sie gezielt auf die Trauben. Zudem entfernt er das Laub rund um die Trauben. Gespritzt wird nur, wenn die Gefahr eines Schadens besteht.

Ohne Spritzmittel arbeiten. Wo möglich verzichtet der Rebbauer auf Spritzmittel. Gewisse Schädlinge lassen sich mit Lockstoffen (Pheromonen) eindämmen (siehe Lockpfosten „Obstkulturen / Lustwandel“) oder der Win-zer kann Nützlinge fördern, welche die Schadinsekten bekämpfen.

Spritzfenster aussparen. Um die naturnahe Produktion immer besser zu verstehen, kann der Rebbauer im Rebberg ein Spritzfenster aussparen, um festzustellen, was ohne Spritzung geschehen würde. So sammelt er Erfahrungen für die Zukunft.

Sich weiterbilden. Selbstverständlich bildet sich der Rebbauer in Fragen der naturnahen Produktion laufend weiter. Da hat man nie ausgelernt.