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Augenweide

Schildertext "Augenweide"
Die Sonnenblume (französisch «Tournesol») dreht ihren Kopf laufend der Sonne entgegen, sie weidet gleichsam im Sonnenlicht. – Eine Augenweide sei auch dieses Feld allen, die vorbei gehen. Bitte nicht pflücken.

 

Wie die Sonnenblume mit der Sonne zusammen arbeitet

Ölquelle. Sonnenblumen sind nicht einfach Sonnenblumen. Sonnenblumen, die felderweise blühen, werden zur Produktion von Öl angebaut. Zum Pflücken eignen sich andere Sonnenblumen-Sorten.

Vier Sonnenblumen-Typen. Der Ziertyp – oft mit mehreren Blumen pro Pflanze – steht in den Gärten. Der Speisetyp – mit grossen, braun- oder schwarzweiss gestreiften Kernen – liefert Kerne zum Knabbern. Der Futtertyp – er bildet besonders viel Blattsubstanz – wird als Tierfutter angebaut und als Grünfutter oder Silage an Rinder verfüttert. Der Öltyp – mit vielen kleinen schwarzen Kernen, die 42 bis 55 Prozent Öl enthalten – liefert Öl. Für einen Liter braucht es 60 Sonnenblumen.

Tournesol. Während die Sonnenblume mit ihren Blättern und dem noch grünen Blütenkorb der Sonne folgt, nimmt sie mehr Sonnenlicht auf, als wenn sie unbewegt dastehen würde. So steigert die Pflanze ihre Photosynthese-Leistung um 10 Prozent und baut entsprechend mehr Pflanzensubstanz auf.

Zungenblütenblätter. Die Sonnenblume leuchtet wie eine Sonne wegen der gelben Zungenblütenblätter, die in grosser Zahl rund um den Blütenkorb stehen. Das Spiel „Sie liebt mich, liebt mich nicht, liebt mich, liebt mich nicht, ...“ dauert entsprechend lange. Es sind aber immer weniger als 100 Zungenblütenblätter.

Röhrchenblüten. Wichtig für die Ölproduktion sind die Röhrchenblüten, die den Blütenkorb ausfüllen: Nach der Befruchtung entstehen daraus die Sonnenblumenkerne. Die Öltypen enthalten besonders viele Röhrchenblüten, bis 2000 pro Sonnenblume. Während der Blütezeit beginnen jeden Tag ein bis drei Kränze zu blühen, vom Rand zur Mitte hin. Eine Sonnenblume blüht so in Raten während fünf bis zwölf Tagen. Nicht alle Sonnenblumen eines Feldes blühen gleichzeitig; daher dauert die Blühzeit eines Sonnenblumenfeldes etwa drei Wochen.

Bienenweide. Bienen und Hummeln befruchten 99 Prozent der Sonnenblumen-Blüten. Ein Sonnenblumenfeld ist eine riesige Bienenweide.

Frühreife

Schildertext "Frühreife"
Erst seit sehr frühreife Sonnenblumen- Sorten herangezüchtet sind (1994), ist in der Schweiz der Anbau von Sonnenblumen zur Ölproduktion in Fahrt gekommen. Noch staunt man über jedes Sonnenblumenfeld.

 

Was alles den Anbau von Sonnenblumen ermöglicht

Das warm-trockene Klima. Sonnenblumen stammen ursprünglich aus warm-trockenen (ariden) Gebieten Nordamerikas. Die ältesten Pflanzenteile von Sonnenblumen wurden in Colorado und Neu Mexiko gefunden. Sonnenblumen für die Ölproduktion brauchen viel Wärme und wenig Regen und sie ertragen keinen Nebel, besonders in der Zeit der Körnerreife im August und September. Das Schweizer Klima ist also nicht ideal für Sonnenblumen.

Die frühe Reife. Im Schweizer Klima sollen die Sonnenblumen möglichst frühzeitig ausgereift sein. Erste Versuche mit Sonnenblumen in den Sechziger- und Siebziger-Jahren versprachen wenig Erfolg. Neue Züchtungen von sehr frühreifen Sorten brachten anfangs der Neunziger-Jahre den Durchbruch. Trotzdem: für Sonnenblumen eignen sich nur Gebiete mit warmem, trockenem Klima und mit wenig Nebel. Höhenlagen von 550 bis 600 Metern über Meer sind Grenzlagen.

Die Qualität des Bodens. Die Sonnenblume ist eher anspruchslos bezüglich Bodenqualität. Der Boden soll aber gut durchlüftet sein, ohne verdichtete Stellen, und er soll wenig Stickstoff enthalten.

Das Können der Landwirte. Auf einer Hektare (einem Feld von 100 mal 100 Metern) stehen 60'000 Sonnenblumen. Pro Quadratmeter wachsen also sechs Sonnenblumen; der Reihenabstand misst 50 Zentimeter. Hacken fördert den Ertrag. Stickstoff muss richtig dosiert werden; zuviel Stickstoff verzögert die Reife, macht die Pflanzen krankheitsanfällig und vermindert ihre Standfestigkeit. Die Kerne werden idealerweise ausgedroschen, wenn sie noch 10 bis 12 Prozent Wasser enthalten.

Die Verträge mit den Ölwerken. Wer Sonnenblumen zur Ölproduktion anbauen will, muss vorher einen Anbauvertrag mit einem der zwei Schweizer Ölwerke abschliessen, mit der Firma Florin in Muttenz BL oder SABO in Manno TI. Die Abnahmemengen werden jährlich neu ausgehandelt: Für die Ernte 2006 waren es 20'000 Tonnen.

Hexenschutz

Schildertext Hexenschutz"
Man lege Blüten vom Johanniskraut in kalt gepresstes Sonnenblumenöl. Dieses Öl, eingerieben, soll den Hexenschuss verjagen. Feinschmecker träufeln Sonnenblumenöl über grüne Salatblätter oder gedämpfte Tomaten. Unter anderem.

 

Welchen Wert kalt gepresstes Sonnenblumenöl hat

Der Geschmack. Kalt gepresstes Sonnenblumenöl hat einen Nussgeschmack. Es eignet sich zu Rohkost-Gerichten und zum Beträufeln von fertig gekochten Speisen, für eine Vinaigrette zu Fisch oder Fleisch, zum Dünsten und Konservieren von Gemüse und Pilzen sowie zum Herstellen von Massageölen und Salben.

Der Nährwert. Ein Esslöffel kalt gepresstes Sonnenblumenöl deckt den Tagesbedarf eines Menschen an essentiellen Fettsäuren. Essentielle Fettsäuren sind Fettsäuren, die dem Körper mit der Nahrung zuzuführen sind, weil er sie selbst nicht aufbauen kann. 63 Prozent der Fettsäuren des Sonnenblumenöls sind essentielle Fettsäuren; das ist ausserordentlich viel. Dazu enthält es viele Nähr- und Vitalstoffe sowie einige Mineralstoffe, die der Organismus braucht.

Kalt gepresst. Kalt gepresstes Öl aus Schweizer Sonnenblumen gibt es erst seit 1999. Die Sonnenblumenkerne werden gepresst und zwei Wochen lang dunkel und kühl gelagert, bis die Trübstoffe sich gesetzt haben. Dann wird das goldgelbe Öl filtriert und in Flaschen abgefüllt.