Main Content

Dufttest

Schildertext "Dufttest"
Ob es den Kühen wohl ist, merkt der Bauer am Fressen, Wiederkauen, Liegen, am Glanz der Felle und an der Ruhe im Stall … Ein Indiz ist auch die Luft: Nach dem Besuch eines gut gelüfteten Kuhstalls soll dir kein Stallgeruch anhaften.

 

Wie der Bauer dafür sorgt, dass es seinen Milchkühen wohl ist

Wohlbefinden. Kühe geben nur viel Milch, wenn es ihnen wohl ist. Ein Tier fühlt sich wohl, wenn es seinen natürlichen Bedürfnissen entsprechend leben kann, wenn es sich den vom Menschen geschaffenen Haltungsbedingungen anpassen kann und wenn es frei ist vor Angst, Krankheit und Schmerz. Der gute Bauer unternimmt alles, dass dies möglich ist und kümmert sich um:

  • Die Lüftung: Die Luft im Stall so intensiv austauschen, dass sie möglichst frisch ist, wie die Aussenluft. In gut gelüfteten Ställen leben die Tiere eindeutig gesünder.
  • Die Tränke: Frisches, sauberes Wasser à discrétion geben. Eine Kuh säuft täglich bis zu 80 Liter Wasser.
  • Die Fütterung: Ein bedarfsgerechtes, reichhaltiges Futtermenü von bester Qualität anbieten, mit viel Raufutteranteil zum Wiederkauen. Wenn die Futterzusammensetzung stimmt, sind die Kühe lange Zeit am Wiederkauen. Ausgiebiges Wiederkauen ist die Voraussetzung für eine gute Verdauung. Während des Wiederkauens liegen die Kühe meistens.
  • Die Liegeplätze: Die Kühe liegen während 9 bis 11 Stunden im Tag. 3 bis 4 Stunden davon sind Ruhezeit, in der sie in kurzen Etappen schlafen. Die Liegeplätze sollen einladend sein. Ideal sind trockene, weiche, verformbare Strohbetten. Es braucht genug Platz im Stall und die Liegestellen müssen so bemessen sein, dass die Kühe leicht und gerne abliegen und aufstehen. Die Masse sind gesetzlich vorgeschrieben.
  • Die Temperatur: Kühe lieben es eher kühl als warm. Ideal sind Temperaturen zwischen 8 bis 12 Grad Celsius.
  • Die Bewegung: Auf der Weide können sich die Kühe natürlich bewegen. Auch der Laufstall und der Laufhof im Freien ermöglichen regelmässige Bewegung.

Biestmilch

Schildertext "Biestmilch"
Ohne Kalb keine Milch – ohne Milch kein Kalb. Die Milch nach der Geburt, die gelbe Biestmilch, ist extrem reich an Nähr- und Abwehrstoffen. Sie wird dem Kalb vertränkt. Die weisse Milch nachher wird für den Menschen gewonnen.

 

Wie Milchproduktion und Fleischproduktion zusammenhängen

Biestmilch.
Die Kuh leckt das frisch geborene Kalb ab und regt so dessen Blutzirkulation an. Das Kalb muss dann von der Biestmilch saufen, möglichst rasch, weil die wertvollen Inhaltsstoffe der Biestmilch während der ersten Lebensstunden noch direkt durch die Darmwand ins Blut dringen. Damit hat das Kalb gute Startbedingungen für das weitere Leben.

Kälberiglus. Kälber werden mit Vorteil in Gruppen im Freien gehalten, mit den weissen Iglus als Unterstand. Das raue Klima schadet ihnen nicht. Im Gegenteil: Es fördert die Abwehrkräfte und die Gesundheit.

Aufzuchtkälber. Der Bauer behält Kuhkälber, von denen er sich viel verspricht, und zieht sie auf. Er will seine Herde laufend mit jungen Tieren ergänzen und leistungsfähiger machen. Leistungsfähige Kühe sollen langlebig sein und viel Milch geben. Weniger leistungsversprechende Kuhkälber werden zur Fleischproduktion gemästet.

Mastkälber. Die Hälfte der neu geborenen Kälber sind männliche Tiere. Da es für die Zucht nur sehr wenige Stiere braucht, werden die meisten Stierkälber gemästet und als 200 Kilo schwere Kälber (für Kalbfleisch) oder als 500 Kilo schwere Munis (für Rindfleisch) geschlachtet.

Konsummilch. Die Kuh wird nach der Geburt des Kalbes während einer Melkperiode von etwa 10 Monaten gemolken. Sie gibt in dieser Zeit – je nach Rasse, Abstammung und Haltungsbedingungen 5000 bis 10'000 Kilogramm Milch. Etwa 2 1/2 Monate nach dem Abkalben wird die Kuh neu besamt. Nach etwa 7 1/2 Monaten Trächtigkeit hört man auf, sie zu melken. Jetzt hat sie 1 1/2 Monate Zeit zur Erholung und Vorbereitung auf das kommende Kalb.

Fleischquelle. Die Kuh ist also nicht nur eine ergiebige Milchproduzentin, sie „beliefert“ auch den Fleischmarkt. Anders gesagt: Wenn wir Milch trinken und Joghurt, Rahm, Butter, Käse konsumieren, halten wir damit eine Produktion in Gang, bei der automatisch auch Rindfleisch anfällt.

Höhenschwindel

Schildertext "Höhenschwindel"
155 000 Kilo Milch verkauft ein Schweizer Milchbauer im Durchschnitt pro Jahr. Nur Betriebe mit mindestens 400 000 Kilo hätten eine Zukunft, sagt man. In EU-Ländern redet man von 1 Million Kilo. Wie viel Rationalisierung erträgt das Land?

 

Warum die Milchrechnung nicht für jeden aufgeht

Natürlich möglich. In der Schweiz können grosse Talbetriebe, entsprechend mechanisiert und automatisiert, 300'000 Kilogramm Milch produzieren. Es braucht dazu eine Herde von 30 bis 35 Hochleistungskühen, die im Jahr je rund 10'000 Kilogramm Milch geben. Ein solcher Viehbestand ist anspruchsvoll zu halten und zu füttern. Von der Natur her ist es aber möglich.

Natürlich unmöglich. Milch wird in der Schweiz zu einem Teil im steilen, kupierten Gelände und im klimatisch rauen Hügel- und Berggebiet produziert. Da aber im Berggebiet kein Futter für eine intensive Fütterung wächst, ist die Milchleistung der Kühe dort deutlich tiefer als im Tal. Für 300'000 Kilogramm Milch braucht es im Berggebiet eine Herde von 50 bis 60 leistungsfähigen Kühen. Von der Natur her (Gelände und Klima) ist eine derart hohe Milchproduktion an den meisten Orten unmöglich.

Milchpreis. Die Kehrseite des Höhenschwindels offenbart sich im Preis, den die Bauern für die Milch lösen. Dieser Preis ist als Folge der neuen Agrarpolitik von 105 Rappen im Jahr 1992 auf 65 Rappen im Jahr 2006 gesunken. Und die Preiserosion ist noch nicht zu Ende. Fachleute rechnen mit einem weiteren Preisrückgang in den kommenden Jahren.

Arbeitsverdienst. Milchproduzenten brauchen unternehmerische Fähigkeiten zur Betriebsführung, fundiertes Berufswissen und sie arbeiten überdurchschnittlich viel (Kühe werden jahraus-jahrein täglich zwei Mal gemolken). Dieser Aufwand ist schlecht entlöhnt: Wenige Rappen Arbeitsverdienst pro Liter Milch beziehen die Schweizer Milchproduzenten im Durchschnitt (der Wert schwankt zwischen minus 7,2 Rappen und plus 31,8 Rappen). Wenn der Milchpreis weiter sinkt, bliebe den Milchbauern kein Arbeitsverdienst mehr.