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Kinderstube

Schildertext "Kinderstube"
Die Mutterkuh schleckt innig ihr neu geborenes Kalb und schubst es an ihre Zitzen. Milch darf es saugen, soviel es mag. Herumtollen darf es auch. Die Kuh ruft und schützt es. Das Kalb folgt ihrem Vorbild. Die perfekte Kinderstube.

 

Wie Mutterkühe und ihre Kälber zusammen leben

Naturnahe Rindviehhaltung. Die Mutterkuhhaltung ist eine naturnahe Art der Rinderhaltung. Die Kühe und Kälber bleiben nach der Geburt zusammen. Mutterkühe sind genügsamer im Futter als Milchkühe. Sie stehen weniger unter Leistungsdruck, man sieht es an ihren kleineren Eutern. Sie geben so viel Milch, wie das Kalb braucht.

Die Geburt. Mutterkühe der in der Schweiz gehaltenen Rassen haben normalerweise eine leichte Geburt. Nach der Geburt schleckt die Kuh das Kalb bis eine Stunde lang. Dann schubst sie es in eine Ecke des Stalles, auf der Weide schiebt sie es hinter einen Busch oder Grasbüschel, um es zu schützen. Sie stösst es auch an, bis es auf den eigenen Beinen steht und schubst es an die Zitzen, damit es bald von der nähr- und abwehrstoffreichen Biestmilch trinkt. Mutterkühe fressen die Nachgeburt auf, wohl einem alten Instinkt folgend, vielleicht um die Nährstoffe aufzunehmen oder um keine Raubtiere anzulocken.

Die ersten Tage des Kalbes. 15 bis 25 Mal saugt das Kalb täglich an den Zitzen der Mutter, manchmal so eifrig, dass es bis unter die Augen nass wird. Schon nach zwei bis drei Tagen beginnt das Kalb Heu- oder Grashalme zu fressen, wie es das bei der Mutter sieht. Auch in anderem ahmt es die Mutter nach und folgt ihrem Vorbild: Es rennt mit der Mutter von einer möglichen Gefahr davon oder nähert sich neben ihr vorsichtig einem Ort, wo etwas Ausserordentliches zu sehen ist. In den ersten Tagen schleckt die Mutter das Kalb häufig.

Kindergarten. Die Kälber einer Herde sind aber nicht dauernd bei ihren Müttern. Wie eine Horde Kinder sind sie auch gerne unter sich. Im Stall richtet der Bauer deshalb einen speziellen Kälberschlupf ein, der nur für sie zugänglich ist. Doch immer wieder sucht das Kalb die Mutter, spätestens wenn sie ihm ruft.

Die Fürsorge der Mutter. Die Mutterkuh behütet ihr Kalb gut bis zur Trennung. Sie ruft es und geht ihm entgegen, wenn es kommt. Bei Gefahr verteidigt sie das Kalb sofort, am stärksten in den ersten Tagen nach der Geburt. Es ist daher empfehlenswert, seinen Hund an die Leine zu nehmen. Er könnte auf der Weide von einer Kuh angegriffen und verletzt werden.

Zartgefühl

Schildertext "Zartgefühl"
Manche Menschen wollen aus Zartgefühl nur Fleisch von glücklichen Tieren essen. Andere wünschen ein Fleisch, das zart auf der Zunge zergeht. Tiere aus Mutterkuhhaltung stillen beiderlei Zartgefühl – sie haben ein gutes Leben, Muttermilch und Raufutter.

 

Was alles den Genusswert von Natura Beef ausmacht

Fleischqualität. Rindfleisch ist ein wertvolles Nahrungsmittel. Es enthält 20 bis 23 Prozent Protein, 1,2 Prozent Mineralstoffe und nur 1 bis 4 Prozent Fett; der Rest ist Wasser und wenig Kohlenhydrate. Für den Geniesser soll das Fleisch ansprechend aussehen, bei der Zubereitung wenig Saft verlieren, zart und aromatisch munden. Für immer mehr Leute soll es auch ethischen Werten genügen, das heisst die Rinder sollen tiergerecht gehalten und gefüttert, schonend transportiert und geschlachtet werden. Das Label „Natura Beef“ steht für Tiere, die alle Ansprüche erfüllen.

Rassen. Für die Mutterkuhhaltung werden Fleischrassen verwendet. Es gibt verschiedenste Rassen aus vielen Ländern, z.B. die Angus aus Schottland, Blonde Acquitaine, Charolais und Limousin aus Frankreich, Piemontese aus Italien, Braunvieh, Simmental und Grauvieh aus der Schweiz. Jede Rasse hat ihre Vorteile und Nachteile bezüglich Geburt, Milchleistung, Futteransprüche usw. und – bei den Kälbern ¬– bezüglich Gewichtszunahme, Fleischfülle, Fleischmarmorierung, Schmackhaftigkeit und Zartheit des Fleisches.

Weidehaltung. Die Weidehaltung mit viel Gras und Heu erfüllt die Ansprüche nach tiergerechter Haltung und steigert den Nährwert des Fleisches. Es enthält besonders viele wertvolle Fettsäuren, Vitamine und Spurenelemente. Das Saugen am Euter der Mutter hat aber keine bessere Fleischqualität zur Folge.

Transport und Schlachtung. Natura Beef werden im Alter von höchstens 10 Monaten geschlachtet. Deshalb ist das Fleisch speziell zart. Die Qualität des Fleisches gewinnt aber auch durch einen kurzen, schonenden Transport zum Schlachtort und die stressfreie Schlachtung. Nach der Schlachtung wird das Fleisch einige Tage gekühlt abgehängt, damit es ausreift und die anfänglich verfestigten Muskelfasern wieder weich werden. Die Kühlung darf nicht schockartig geschehen, sonst wird das Fleisch zäh.

Produktionsreglement. Natura Beefs werden nach einem Produktionsreglement aufgezogen. Sie erfüllen die Vorschriften einer naturnahen, tierfreundlichen Behandlung und Haltung. Unter www.svamh.ch finden sich weitere Informationen.

Flotzmaul

Schildertext "Flotzmaul"
Rinder stecken ihr Nasenteil – Flotzmaul genannt – ins Gras, umfassen ein Büschel mit der Zunge, ziehen es auf die scharfen Unterkieferzähne, rupfen kurz und schlucken das Gras, ungekaut. Rinder können Zellulose verdauen, Menschen nicht.

 

Warum das Rind kann, was wir nicht können

Zellulose verdauen. Zellulose ist der Hauptbestandteil der pflanzlichen Zellwände. Zellulose ist eine Kohlenhydratverbindung, komplizierter aufgebaut als Zucker und Stärke. Der Mensch kann Zucker und Stärke mit seinen Verdauungssäften auflösen, Zellulose aber nicht. Die Wiederkäuer – Kuh, Schaf, Ziege, Hirsch – können Zellulose mit ihrem vierhöhligen Magensystem verdauen.

Fressen. Rinder haben keine oberen Schneidezähne und können darum das Gras nicht abbeissen. Sie rupfen es ab, wie oben beschrieben. Das Gras rutscht durch die Speiseröhre in den Netzmagen und von dort in den Pansen, den zweiten Vormagen.

Vergären. Im Pansen vergärt das Gras. Er zieht sich rhytmisch zusammen und durchmischt den Futterbrei. Gleichzeitig greifen Mikroben die chemisch schwer abbaubaren Pflanzenmoleküle an und brechen sie auf. Die Kuh schluckt dann den vorverdauten Futterbrei zurück ins Maul.

Wiederkauen. In vierzig bis sechzig Kaubewegungen zermahlt die Kuh die einzelnen Portionen und schluckt sie wieder hinunter. Vier bis neun Stunden täglich verbringt sie in Ruhe beim Wiederkauen.

Verdauen. Im bisherigen Verdauungsprozess haben die Mikroben fleissig Zellulose und andere Kohlenhydrate abgebaut und Eiweisse aufgebaut. Jetzt kommt der Futterbrei in den Blättermagen, den dritten Vormagen, wo das Wasser abgepresst wird. Dann wird der eingedickte Brei im Labmagen weiter und im Darm fertig verdaut.

Grastier. 100 Kilogramm Gras oder 15 Kilogramm Heu frisst eine Kuh pro Tag. Weil in der Schweiz auf zwei Dritteln der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche Gras und nur Gras wächst, sind schon die alten Schweizer auf die Kuh gekommen. Und es gibt nichts sinnvolleres, als Rinder, Schafe und Ziegen zu halten, wenn wir weiterhin eigene Milch und eigenes Fleisch geniessen und zugleich unsere Landschaft mit ihren Wiesen und Weiden pflegen wollen.