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Trüffelrüssel

Schildertext "Trüffelrüssel"
Schweine sehen mit der Nase. Darum hat man sie früher zur Trüffelsuche in den Wald geführt. Im Freiland leben Schweine artgerecht: sie wühlen, nagen, suhlen. Warum leben nicht alle so? – Weil es zu viel Land braucht und kostet. Wie Trüffel.

 

Was die Forderung nach glücklichen Tieren bei
den Schweinen bedeutet

Wühltiere. Schweine sind aktive Tiere. Sie wühlen in der Erde und fressen Gras, Wurzeln, Würmer, Engerlinge, Pilze, Baumfrüchte. So verwandeln sie ein Gelände in kurzer Zeit in einen Acker. Zur Selbstversorgung lassen sich ein oder zwei Schweine gut auf einer grossen Wiese halten. Anders eine ganze Herde von Zuchtsauen oder eine Vielzahl von Masttieren: Sie müssen in regelmässigen Abständen die Weide wechseln, immer wenn sie eine Wiese umgepflügt und den Boden mit ihrem Kot gedüngt haben.

Freilandhaltung. Die Freilandhaltung von grösseren Schweinebeständen eignet sich für Ackerbaubetriebe, die die Schweineweide in eine Fruchtfolge mit Kartoffeln, Gemüse und anderen Feldkulturen eingliedern. Erst nach vier Jahren dürfen die Schweine wieder auf die alte Fläche kommen. Das zeigt: Der Ackerbaubetrieb muss genügend Fläche bewirtschaften, damit sich die Schweinehaltung realisieren lässt.

Kostenpunkt. Ein Kilogramm Trüffel kostet rund 8000 Franken. Soviel kostet Schweinefleisch aus Freilandhaltung nicht. Es kostet aber mehr als Fleisch aus Stallhaltung. Die Freilandhaltung gibt mehr Arbeit und belegt Land, dessen Preis eingerechnet werden muss. Anderseits braucht es weniger Investitionen für Einrichtungen als die Stallhaltung. Freilandhaltung lohnt sich nur, wenn das Fleisch als Marken-Schweinefleisch zu einem 20 Prozent höheren Preis als üblich verkauft werden kann.

Stallhaltung. Mit geeigneten Ställen kann man dem natürlichen Verhalten der Schweine entgegenkommen

Verhaltensweise der Schweine:Möglichkeiten im Stall
Schweine sind soziale Tiere:      Gruppen in genügend grossen Buchten halten.
Sie bauen Schlafnester:              Ein Teil der Bucht mit Stroh einstreuen; zum Koten undHarnen Bereiche  vorbereiten, die hell, feucht und kühler sind als der Liegebereich.
Sie brauchen Platz zum Fressen: Einen genügend langen Trog nehmen oder Einzelfressstände einrichten.
Sie sind aktiv und neugierig: Genügend Platz für Bewegung schaffen, Auslauf einrichten, Beschäftigungsmaterialien anbieten.
Sie bauen sich ein Geburtsnest:In der Abferkelbucht frei laufen lassen und Stroh geben.

Glückstier

Schildertext "Glückstier"
Die Sau wirft bis 14 Ferkel. Diese saugen während 35 Tagen bei der Mutter. Nun werden sie 45 Tage lang mit Jagerfutter aufgezogen. Dann kommen sie in den Mastbetrieb. 120 Tage später werden sie geschlachtet. Fleischproduktion.

 

Wie die Schweinehalter im Spannungsfeld von Markt
und Gesetz stecken

Schweineproduktion. Bei der Schweinehaltung fordert die Situation auf dem Markt eine möglichst rationelle Produktion. Mit Folgen: Wirtschaftlichkeit diktiert den Lebenslauf der Mastschweine.

Konkurrenzdruck. Die Handelsorganisationen handeln den Preis für Schweinefleisch mit den Produzentenorganisationen aus. Schweizer Schweinefleisch ist meistens teurer als importiertes Schweinefleisch. Der Grund ist klar: Die Schweiz ist ein Hochpreisland. Daher sind bei uns auch die Produktionskosten für Schweinefleisch höher als im Ausland. Die strengen Tierschutz- und Fütterungsvorschriften der Schweiz verteuern die Produktion zusätzlich. Die Preise für Schweizer Schweinefleisch sind daher häufig unter Druck.

Vorschriften. In der Schweiz wurden in den letzten 20 Jahren die Tierschutzvorschriften mehrere Male verschärft. Die Fütterungsvorschriften des Staates verbieten den Schweizer Bauern zudem die Anwendung von Antibiotika als Leistungsförderer. Das werden die meisten Leute begrüssen. Die Schweizer Schweinehalter aber müssen darauf zählen können, dass die Konsumentinnen und Konsumenten im Laden dann nicht einfach zum billigen Importfleisch greifen, das mit deutlich weniger strengen Tierschutz- und Fütterungsvorschriften produziert wurde.

Schweizer Qualität. Schweizer Schweinehalter sind Berufsleute, die ihr Handwerk verstehen. Wer einige hundert Schweine hält, eignet sich schon in der täglicher Arbeit mit den Tieren ein hohes Wissen an. In einem Schweinebetrieb stecken zudem so viel Investitionen, dass sich jeder grössere Schweinehalter auch laufend fachlich weiterbilden muss. Diese Spezialisierung und Professionalität kommt den Tieren zugute.

Schweinezyklus

Schildertext "Schweinezyklus"
Wenn der Fleischpreis steigt, werden mehr Schweine gezüchtet, bis es zuviel Fleisch hat. Nun sinkt der Preis. Dann werden weniger Schweine gezüchtet, bis es zu wenig Fleisch hat. Nun steigt der Preis. Dieser Zyklus dauert 3 Jahre.

 

Wie die Schweinehalter dem Diktat des Marktes begegnen

Marktspiel. Auf dem Schweinemarkt spielen Angebot und Nachfrage wie im Lehrbuch. Was oben für die Produktion beschrieben ist, spielt ebenso beim Konsum – mit umgekehrten Vorzeichen: Bei höheren Preisen kaufen die Leute im Laden weniger Schweinefleisch, bei tieferen Preisen mehr.

Zeitverzögerung. Tiere sind keine Ware. Darum reagiert die Schweineproduktion erst mit Zeitverzögerung auf die veränderten Preise. Wenn der Preis sinkt, stehen in den Aufzucht- und Mastbetrieben noch eine Menge Tiere, die erst Wochen und Monate später auf den Markt kommen. Zuerst müssen die Zuchtbetriebe weniger Ferkel produzieren. Erst später wird sich die rückläufige Tierzahl im Angebot auf dem Markt bemerkbar machen.

Nachfrage. Rund 25 Kilogramm Schweinefleisch pro Person und Jahr wird in der Schweiz konsumiert. Das ist die Hälfte des gesamten Fleischkonsums. Ein wesentlicher Grund für die grosse Nachfrage ist der im Vergleich zu andern Fleischarten günstige Preis. Allerdings ruft der tiefe Preis nach rationeller Produktion. Heute ist ein Grossteil der Schweineproduktion aufgeteilt in spezialisierte Zuchtbetriebe und Mastbetriebe.

Trend. Um – dem Diktat des Marktes folgend – die Investitionen tief zu halten und rentabler zu arbeiten, beginnen die Schweinehalter sich noch mehr zu spezialisieren und die Produktion weiter zu unterteilen in

  • Deckbetriebe, wo die Sauen gedeckt und besamt werden.
  • Mutterschweinebetriebe, welche die trächtigen Sauen während der Tragzeit halten.
  • Abferkelbetriebe, wo die Sauen die Ferkel werfen und sie bis zur fünften Woche säugen.
  • Aufzuchtbetriebe, die dann die Ferkel bis 25 Kilogramm aufziehen.
  • Mastbetriebe, welche die Schweine bis zur Schlachtreife mästen.

Tierliebe. Dem Bauern liegt das Wohlergehen seiner Tiere am Herzen. Er weiss, dass nur glückliche Tiere gesund sind und die gewünschte Leistung bringen. Er wird alles dafür tun, dass es ihnen gut geht. Doch nochmals: Solche Tierliebe kostet ihren Preis.